Der Tag der vier Päpste

Am vergangenen Sonntag war der Petersplatz zur Ostermesse mit Papst Franziskus schon gut gefüllt. Doch sollte dies in keinem Vergleich zu dem stehen, was uns heute hier erwartete.

 

Für den 27. April, den Weißen Sonntag, hatte Papst Franziskus die Heiligsprechung Johannes’ XXIII. und Johannes Pauls II. anberaumt. Gleich zwei Päpste des 20. Jahrhunderts wurden hier heilig gesprochen, die mit ihren Pontifikaten Geschichte geschrieben und nicht nur einmal das Schicksal der Kirche bestimmt hatten. 

Schon 48 Stunden vorher waren die Zeichen, dass da etwas ganz Großes kommt, überall in der Stadt mehr als deutlich. Lange Schlangen zogen vor der Scala Santa und dem Baptisterium am Lateran ihre Bahnen und in der Basilika war das große bronzene Hauptportal weit geöffnet, durch das die Menschen in das riesige Kirchenschiff strömten. Auch vor der normalerweise nur von wenigen besuchten Kirche Santa Croce in Gerusalemme standen sich Gläubige die Beine in den Bauch, um einen kurzen Blick auf den hier aufbewahrten Titulus des Kreuzes Jesu zu erhaschen. Ein wahrhaftiger Ausnahmezustand des Glaubens lag über der gesamten Stadt. Am Abend versammelte man sich an allen Ecken und Enden, Plätzen und Kirchen zu gemeinsamen Gebeten und Messfeiern. 

Das Herankommen an den Petersdom gestaltete sich heute Morgen auch recht schwierig, denn aus den Fehlern der Seligsprechung von 2011 hatten die römischen Sicherheitskräfte wohl gelernt und hatten bereits ab der vergangenen Nacht weitläufig die Straßen abgesperrt. Von der Piazza Venezia schlug ich mich sich also zu Fuß die rund zweieinhalb Kilometer in Richtung Vatikan durch. Am Petersplatz angekommen führte mich mein Weg hinweg über in dicke Schlafsäcke eingemummelte Menschen, vorbei an auf kleinen Klappstühlen Wurst und Käse verspeisenden oder ganz ins Gebet versunkene meist polnischen Gläubigen – wen wundert’s – in die Mitte des Platzes. Dort standen bereits seit den frühen Morgenstunden liebe Kollegen, die mir einige Zentimeterchen freigehalten hatten. Mit Beginn der Messe kamen dann auch die ersten Regentropfen und es nieselte still und leise vor sich hin. Als Papst Franziskus mit „Decernimus“, „ wir ordnen an“ die Heiligsprechungsformel vollendete, brachen feine Sonnenstrahlen durch die graue Wolkendecke und ab diesem Augenblick fiel für die gesamte Messe kein einziger Regentropfen mehr auf den Petersplatz. 

Einmal mehr stellte Franziskus in seiner Predigt die Bedeutung der Heiligen heraus, da diese die Kirche nicht nur voran brächten, sondern sie zudem wachsen ließen. Johannes Paul II. war – und ist nun erst recht als neuer Heiliger – der Papst der Familie, so Franziskus am Ende seiner Predigt. 

Nun, am späten Nachmittag, regnet es hier wie aus Kübeln, die Straßensperrungen sind aufgehoben und die Massen der Gläubigen haben sich in alle Himmelsrichtungen verstreut. Kaum etwas lässt noch erahnen, welch heilloses Durcheinander hier noch vor wenigen Stunden geherrscht hat. Doch diesen 27. April, jenen Sonntag, an dem zwei große Kirchenmänner heilig wurden und zwei Päpste, ein emeritierter und ein amtierender, an der Messe teilgenommen haben wird wohl keiner hier so schnell vergessen.  

 

Etwas erschöpft, aber glücklich grüßt Sie herzlich

Ihre

Natalie Nordio