Am Wochenende gab es Grund zum Feiern
- Sonntag, 22. Januar 2012 19:41
- von Natalie Nordio
Überraschungsessen für den Chef des Deutschen Pilgerzentrums. Rom hat viele Seelen, aber die Seele für viele deutscher Zunge ist nun einmal er: Don Antonio Tedesco
Seit mehr als einer Woche wurde der Ablauf des Überraschungsessens zu Ehren Don Antonios, dem Leiter des deutsprachigen Pilgerzentrums hier in Rom, unter strengster Geheimhaltung von zwei seiner längsten Mitarbeiterinnen minuziös geplant. Als ich dem Chef von der geheimen Mission berichtete, war er gleich Feuer und Flamme und wollte auch mit. Letztlich waren wir eine fröhliche Truppe von Freunden, alten und neuen Mitarbeitern sowie der Redaktion unseres schönen Heftes, die sich um exakt dreizehnhundert, ich finde die Zeitangabe im Militärsjargon dem Geheimhaltungsgrad der Mission angemessen, und keine Minute später im Lo Stregone (dem Hexer) einfanden. Don Antonio, eine der neugierigsten Personen, die ich kenne, dem normalerweise nie etwas entgeht, hatte wirklich nicht die Spur einer Ahnung und war sichtlich überrascht, als er gemeinsam mit den beiden Drahtzieherinnen das Restaurant betrat und uns alle da sitzen sah. Ja, Don Antonio und das Pilgerzentrum, eine Institution in Rom, die jeden mit offen Armen empfängt und sich nicht in irgendwelche bürokratischen Schubladen stecken lässt. Seit nun mehr fast zwei Jahren bin ich wieder hier in Rom und inzwischen sind Don Antonio und das Pilgerzentrum zu einem festen Bestandteil meines römischen Lebens geworden, auf den ich um keinen Preis der Welt verzichten möchte.
Nach einer mittellangen Begrüßungszeremonie machten es sich alle bequem. Zu Ehren des Geburtstagskindes und guten Freunds des Hauses kam selbstredend nur das Beste auf den Tisch. Salami, Bresaola und würziger Schinken dazu knackfrisches Bauernbrot, Bruschette und Fritti machten den Anfang. Unter Fritti versteht der Italiener so ziemlich alles, was in den Frittiertopf passt. In unserem Fall gebackene Oliven und Kroketten. Danach gings weiter mit zweierlei Pasta. Ich stürzte mich mit den Worten „ich esse bis ich platze“ besonders auf die mit Ricotta gefüllten Ravioli in Trüffelsoße … mmmmhhhhh lecker. Die wenigen, die nach dieser Pasta-Symphonie noch Platz hatten, wurden mit Kalbsfleischstreifen an Steinpilzen für ihr extraorbitantes Fassungsvermögen belohnt. Nach der obligatorischen Geburtstagstorte, die wie meist in Italien bapp-süß, aber trotzdem sehr lecker war und einer ausgedehnten Verabschiedungszeremonie machten wir uns alle mit gefühlten hundert Kilo mehr auf den Nachhauseweg. Zuhause angekommen setzte ich mich an meinen PC und besuche eine ziemlich bekannte social-network-Seite, man möchte doch wissen, was die Freunde so treiben, und wie so oft in den letzten Tagen stelle ich besonders auf den Seiten meiner sizilianischen Freunden fest, dass die Situation auf der Insel an der italienischen Stiefelspitze wirklich prekär ist. Ein Generalstreik jagt den nächsten, ob nun von der Mafia angestachelt, wie manche behaupten, oder nicht, ist die Lage bedenklich. Einige sprechen bereits von einer Neu-Version der „spedizione dei mille“, dem Marsch Garibaldis im Jahr 1860 von Sizilien Richtung Norden. Ob dies wirklich berechtigt ist, bleibt abzuwarten. Feststeht aber: Es muss sich etwas ändern. Wie die Sache weitergeht, werde ich für Sie im Auge behalten.
Mit den besten Grüßen aus Rom und einem guten Start in die Woche
Ihre Natalie Nordio



Nicht nur zur Faschingszeit: