Schneeflöckchen, Weißröckchen in Rom
- Sonntag, 05. Februar 2012 12:42
- von Natalie Nordio
Eine Reise ins Büro durch das winterliche Rom. Schneechaos und andere Katastrophen waren im Preis enthalten.
Bereits seit einigen Tagen warnten die Wetterberichte vor der Kältewelle, die ganz Europa und so auch unseren schönen Stiefel zum Wochenende hin heimsuchen würde. In Rom war man aber am Freitagmorgen trotzdem mehr als überrascht, als die Kälte mit all ihren Begleiterscheinungen kam. Allein bei Regen bricht das selbst bei gutem Wetter ziemlich mangelhafte Verkehrsnetz schon fast zusammen. So kann man sich ausmalen, welche Szenen sich Freitag früh in der Hauptstadt abspielten, als der Regen plötzlich - von der kommenden Kältefront wusste natürlich niemand - zu Schnee wurde. Ich kämpfte mich mutig mit Gummistiefeln und Regenschirm, der dank des eiskalten Windes, der mir um die Ohren wehte, völlig überflüssig war, Richtung Bushaltestelle. Meine gefütterten Winterstiefel stehen klugerweise in Deutschland, da ich bisher der Überzeugung war, sie hier so oder so nicht zu brauchen - ein Fehler, den ich bei meinem nächsten Heimatbesuch korrigieren werde.
Der erste stürzende Vespafahrer begegnete mir gleich beim Schließen der Haustür, und es sollten viele folgen. Na, das kann ja heiter werden, dachte ich. An der Bushaltestelle angekommen hieß es erst einmal warten, lange, lange warten. Endlich ein Bus, der mich in Büronähe bringen würde. In einer Mischung aus Schneckentempo und Schrittgeschwindigkeit kroch der Bus die Straßen entlang. Im Businneren hatte das Chaos bereits das Regime übernommen. Das Recht des Stärkeren oder wie Darwin es so treffend formulierte: "Survival of the Fittest", gilt eigentlich immer im römischen Bus, und je schlechter das Wetter desto schlimmer ist die Lage. Von der Regel, älteren Fahrgästen oder einer Mutter mit Kind einen Platz anzubieten, hat man sich längst verabschiedet. Wie auf der Costa Concordia scheint auch im Bus der Ausspruch "Frauen und Kinder zuerst" ein Ammenmärchen geworden zu sein. So bin ich oft gezwungen mich als Robin Hood der römischen Busse zu outen und für das Recht der Armen und Schwachen zu kämpfen, womit ich mir nicht nur Freunde schaffe.
So auch diesmal. Eine ältere Dame stand - eingezwängt zwischen anderen Fahrgästen, die ihr rücksichtslos die Ellenbogen in die Seite bohrten - mit bereits ziemlich grünem Gesicht nach Luft japsend unweit von mir entfernt. Mein Einsatz. ich forderte den mir am nächsten sitzenden Fahrgast auf, seinen Platz für die ältere Damen zu räumen. Nach kurzer Bedenkzeit folgte dieser etwas mürrisch meinem höflich gemeinten Ratschlag und die ältere Dame nahm erleichtert Platz. Ich selbst hatte mir ein geschicktes Eckchen unter den Stehplätzen gesichert und konnte so die Straßenlage sehr gut beobachten. Die sonst für ihre rasante Fahrweise bekannten Römer hatten sich unserer Schrittgewindigkeit angepasst und schlichen über das spiegelglatte Kopfsteinpflaster - klar, mit Sommerreifen geht es bei so einem Wetter auch wirklich nicht schneller. Die meisten Vespafahrer hatten sich ergeben und waren dem Motto "Wer seine Vespa liebt, der schiebt" folgend zu Fuß unterwegs. Nach über zweieinhalb Stunden Irrfahrt ist es mir doch noch gelungen das Büro zu erreichen.
Meine Odyssey zurück nach Hause erspare ich Ihnen lieber.
Hezlichst und uns allen einen guten Start in die Woche!
Ihre
Natalie Nordio



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