Highlights auf Purpurrot

Und wie die deutsche Botschaft beim Heiligen Stuhl von Kölner Karnevalsjecken geentert wurde.

Seit meiner Rückkehr nach Rom war die Ernennung der neuen Kardinäle am vergangenen Samstag das zweite Konsistorium, das ich zumindest teilweise miterleben durfte. Aus den Fehlern, die ich bei meiner ersten Visita di Calore im November 2010 gemacht hatte, habe ich gelernt und mich so nicht bereits ab 16 Uhr, eine halbe Stunde vor Einlass zu den Höflichkeitsbesuchen, in die Schlange auf dem Petersplatz eingereiht. Bei dem bloßen Gedanken an die damalige Warterei ereilt mich heute noch ein leichtes Beklemmungsgefühl und Schnappatmung. Ordensschwestern, Theologiestudenten und junge Priesterseminaristen hatten ihre gute Kinderstube kurzer Hand vergessen und waren zu einer Horde wilder Rockfans mutiert, die auf den Konzerteinlass warteten.

Dieses Mal ließ ich mir Zeit, bis die erste große Menschentraube in Richtung Audienzhalle und Apostolischer Palast verschwunden war. Recht problemlos erreichte ich nach nur wenigen Minuten die Audienzhalle, um dort dem neuernannten Kardinal Woelki im Namen des VATICAN-magazins zu gratulieren. Weniger Glück hatte ich bei der Schlange am Apostolischen Palast. Auf dem Petersplatz selbst schien alles ganz ruhig. Diese Ruhe hielt leider nur bis zum Bronzetor. Eine geschlagene Stunde habe ich gebraucht, um endlich Berninis Scala Regia und die sich danach befindenden Säle des Apostolischen Palastes zu erreichen. Zu meiner großen Erleichterung sorgte aber die Schweizer Garde für Ordnung und die Warterei war einigermaßen erträglich. Zugegeben waren es weniger die Kardinäle als vielmehr die wundervollen Wandfresken, die mich hier her gelockt hatten. Da schlägt mein Kunsthistorikerherz einfach höher und so oft bekommt man diesen Teil des Palastes leider nicht zu sehen.    

Am Abend wartete dann noch ein weiteres Highlight auf mich –  der Empfang an der deutschen Botschaft beim Heiligen Stuhl, zu dem ich, dem Chef sei Dank, mit durfte. Nach einer kurzen Begrüßung durch den Botschafter, einer nicht enden wollenden Ansprache Erzbischof Zollitschs – die Eminenzen Meisner und Brandmüller hatten bereits ermattet Platz genommen und mir kamen die Erdnüsschen, die in unmittelbarer Reichweite standen, gerade recht – sowie schließlich einer mittellangen, ganz netten Rede des Berliner OBs Wowereit ergriff „der Benjamin des Kardinalskollegs“ Rainer Maria Woelki das Wort. Für große Heiterkeit unter den Gästen sorgte neben Woelkis Fußballbegeisterung besonders der Vergleich zwischen der Farbkombination seiner Robe, am Abend sehr viel schwarz mit etwas rot, und dem Parteiengeflecht Berlins. Als letzter war Kardinal Becker an der Reihe, der die Geduld der Geladenen nicht länger strapazieren wollte und sich kurz und knapp bedankte. Danach stürzte sich alles auf das reichhaltige Buffet.

Bedenkt man die Herkunft der beiden neuen Kardinäle und den augenblicklichen Ausnahmenzustand ihrer Heimatstadt, kann man sich den weiteren Verlauf des Abends ausmalen. Der rheinische Frohsinn schwappte, nachdem einer der Jecken das Klavier des Botschafters entdeckt hatte, spätestens jetzt auch auf alle anwesenden Nicht-Kölner über. Von „Viva Colonia“ über „Kölle Alaaf“ bis hin zu „Mir losse de Dom in Kölle“ wurde alles, was das Kölner-Liedgut zu bieten hatte, zum Besten gegeben und die Menge schunkelte ausgelassen mit. Zu später Stunde leise vor mich hin summend und ein bisschen mehr „Jeck“ als zuvor verließ ich die Botschaft.

 

Auf bald

Ihre Natalie Nordio                      


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  • Kreuzritterorden

    Geschrieben am 2012-02-26 20:55:36

    Der Christliche Kreuzritterorden wußte granicht das es beim Vatican so lustigen zu gehen kann.

    Mit freundlichen Grüßen

    www.kreuzritterorden.com