Titelthema 2/2014

 

Wer ist dieser Mann

Die Abschaffung der Familie im Geist von Entenhausen.
Ein Beitrag zur fünften Jahreszeit – und zur kommenden Bischofssynode

von Guido Horst

 

Christus kam nicht bis Entenhausen. Im Sinne von Papst Franziskus ist das sicherlich nicht – liegen dem Jesuiten im Petrusamt doch gerade die Peripherien der menschlichen Existenz besonders am Herzen. Doch das ist ja die Crux am drolligen Entenstaat: Was ist da schon menschlich? Die Sprache, die Mimik, die Ehrfurcht vor dem Geld oder die Genüsse und Segnungen der materiellen Welt? Der Siegeszug von Donald Duck, Dagobert, Tick, Trick und Track samt Genossen inklusive den Panzerknackern war gewaltig, damals, im zurückliegenden Jahrhundert, wo die Welt von Entenhausen in jedes Kinderzimmer des Westens gehörte. Und nicht nur in die Kinderzimmer. Doch man kann es drehen und wenden wie man will, die Lehrbücher des Donaldismus – der Wissenschaft von Entenhausen – sorgfältig studieren oder Fachliteratur zum Entenclan konsultieren: Ein Erbe des christlichen Abendlands ist die Welt der „Ducks“ offensichtlich nicht.
Für die katholische Kirche hat ein Jahr begonnen, das ganz im Zeichen der Familie steht. Die Bischofssynode im Oktober wird sich mit Ehe- und Familienfragen befassen, zur Vorbereitung hat der Vatikan, genauer das römische Generalsekretariat der Synode, einen Fragebogen quer durch die ganze Welt geschickt, den zahlreiche Bischöfe oder nationale Bischofskonferenzen flugs an Verbände, geistliche Gemeinschaften oder diözesane Gremien weiterleiteten. Die Ergebnisse der Befragung waren erschütternd. In weiten Teilen der Kirche des Westens weichen die Einstellungen der Getauften wie auch vieler Kirchgänger immer mehr von der traditionellen katholischen Lehre zu Partnerschaft, Familie, Ehesakrament oder Offenheit für den Nachwuchs beträchtlich ab. Ganz weit oben auf der Skala des Dissenses: Die Zulassung von Geschiedenen, die zivil eine zweite Ehe abgeschlossen haben, zur Kommunion und zu den Sakramenten, die Tolerierung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften durch die Kirche, ja deren wohlwollende Segnung, Empfängnisverhütung und eine auch vor oder außerhalb der Ehe ausgelebte Sexualität in den jeweils unterschiedlichsten Kombinationen. Selbst katholische Theologen waren in den vergangenen Wochen mit der Forderung zu hören, die Kirche müsse ihre Ehe- und Sexualmoral der gesellschaftlichen Wirklichkeit anpassen. Sollten wir also vielleicht auch die zehn Gebote vom Sinai gleich mit abschaffen, nur weil seit den Tagen des Moses immer noch gelogen, gehurt und gestohlen wird, von der verbreiteten Nichtachtung der Eltern ganz zu schweigen, und dem Begehren nach des Nächsten Hab und Gut und Frau oder Mann? Na? Auf eine simple Volksbefragung hin also die katholische Haltung und Fürsorge und Liebe zur Leiblichkeit des Menschen abzuschaffen, kann im Ernst nicht Aufgabe der Bischofssynode sein. Ganz bestimmt läge sie damit auch nicht auf der Linie von  Papst Franziskus, der keine Gelegenheit auslässt, um die Werte der traditionellen Familie festzuklopfen.
Doch was ist aus dieser traditionellen, klassischen Familie geworden, also der Familie mit Papa, Mama, Kindern, Opa, Oma und Enkelkindern? Aus dem Fernsehen ist sie ganz verschwunden. Die Familie Hesselbach winkt aus längst vergessener Zeit. Stattdessen muss es heute – nach der Quoten-Frau und dem Quoten-Neger – der Quoten-Schwule sein, der die unterschiedlichsten Partnerschaften vom Tatort bis zur Lindenstraße ergänzt. Auch die Katholiken haben diese Lektion gelernt. Klar, wenn einem tagtäglich vor dem Bildschirm vorgegaukelt wird, dass alles möglich ist, in dieser Patchwork-Welt – nur eines nicht: die klassische Familie. Während also Vatikan, Papst und die Bischöfe der Welt die Synode zur Familie vorbereiten, scheint die fünfte Jahreszeit genau die richtige zu sein, um auch seitens des VATICAN-magazins einen kleinen Beitrag zum Thema Familie zu leisten beziehungsweise deren Untergang im medial verbreiteten mainstream der heutigen Zeit zu beleuchten. Und da wären wir wieder in Entenhausen.
Dort begann der früheste, prominenteste und vielleicht wirkungsvollste Versuch, die nachwachsenden Generationen umzuerziehen. Für die Freimaurer waren volkspädagogische Projekte dieser Art schon immer Ausdruck ihrer Arbeit am Menschen, ihrer „Arbeit am rauhen Stein“. Und der Schöpfer (oder soll man sagen „Vater“?) von Donald und Dagobert Duck und all diesen familienlosen Gestalten, Walter Ernest Disney (geboren 1901 und verblichen 1966 in Los Angeles), war ein überzeugter Freimaurer. In seiner Welt – die „Disney-Lands“ eingeschlossen – hat die Familie keinen Platz. Doch gehen wir zum Kern des Pudels, nach Entenhausen, wo die Abschaffung der Familie ihren Anfang nahm, und befassen wir uns mit der Auflösung der Familie im Geist von Entenhausen.
Das Dokument mit der Nummer 577, mit dem W. E. Disney die Aufnahme in die Loge (schottischer Ritus) von Kansas City bestätigt wurde, trägt das Datum vom 29. Mai 1920. Also einige Jahre vor der Zeit, als zuerst Mickey Mouse das Licht der Leinwand erblickte – und nach ihm die berühmten „Ducks“. Disney schuf seine berühmten Comic-Figuren als gelernter Freimaurer – und zog ihnen auch bald die weißen Freimaurerhandschuhe an, nur den Panzerknackern nicht, die mussten ohne diese Zierde der Logenbrüder Panzer knacken. Besonderes Kennzeichen: Irgendwie kennt man sich, erlebt zusammen Abenteuer, aber wer wie zusammengehört, bleibt im Dunkeln. Tick, Trick und Track (welches Geschlecht haben die eigentlich?) sind Geschwister, die Eltern kennt man nicht, es heißt, ihre Mutter sei „verschollen“. Dafür leben sie bei ihrem Onkel Donald. Wer ist dieser Mann? Vater der drei Neffen ist er offensichtlich nicht. Daisy Duck ist auch nicht seine Frau. Und wer ist Gustav Gans? Ein Vetter von wem? Noch ein anderer „Onkel“ spielt in Entenhausen eine geldschwere Rolle, die reichste Ente der Welt: Dagobert Duck. Er soll der Bruder von Oma Duck sein, die wiederum ohne Mann ihr Dasein fristet. Alles ist möglich, in Entenhausen, nur eines nicht: die ganz normale Familie. Allenfalls von Sippe ist zu sprechen, wenn es um die „Ducks“ geht. Ein Blick in die donaldistische Fachliteratur beschert uns folgende Einblicke:
„In seiner vulgärdonaldistischen Untersuchung ,Die Ducks. Psychogramm einer Sippe’”, so ist in einem donaldistischen Fachaufsatz zu lesen, „eröffnet Grobian Gans mit den Worten: ,Die Schatten, die meist allzu dunkel über dem Schicksal der Altvordern lasten, sind auch bei den Ducks nicht gänzlich aufzuhellen.’ An dieser Aussage ist cum grano salis bis heute festzuhalten, trotz intensiver wissenschaftlich-donaldistischer Bemühungen in der Folgezeit – die Überlieferung durch den genialen Zeichner (und Schöpfer der Figuren Entenhausens) Carl Barks ist in punkto Familienverhältnisse und -herkunft leider recht spärlich. Nur wenige Einzelheiten können als gesichert gelten: Die Familie Duck stammt aus Schottland; in den dortigen Hochmooren hatte der adlige McDuck-Clan seinen Stammsitz. Irgendwann (um das Jahr 1000 n. Chr.) wurden die McDucks von der Familie der Whiskervilles – Viehdiebe und Wilderer – von ihren Ländereien vertrieben, indem die Whiskervilles in das Kostüm eines übermenschengroßen Hundes schlüpften, der die McDucks verschreckte. Die Burg der McDucks wurde geplündert und bis auf die Grundmauern zerstört. Die McDucks kehrten (unter Fortlassung des ,Mc’) einige Jahrzehnte (?) nach ihrer Vertreibung jedoch wieder in die schottischen Hochmoore zurück und errichteten einen neuen Stammsitz: die mächtig-trutzige ,Duckenburgh’. Die früheste namentliche Erwähnung aus dieser Zeit ist Sir Daunenstert Duck, ,gefallen im Kampf gegen die Angelsachsen anno 1174’.“ Ende des etwas längeren Zitats.
So wie sich die westliche Menschheit noch ganz dunkel daran erinnern kann, dass es früher einmal intakte Familien und klare verwandtschaftliche Beziehungen gab, so hat auch die im Geiste Walt Disneys geborene Sippe der „Ducks“ von Entenhausen eine leise Ahnung, dass sie auf familiären Wurzeln ruht. Eine blasse Ahnung. Mehr nicht. In den Filmchen und Comic-Heften spielt das keine Rolle mehr. Die junge Fan-Gemeinde, die sich seit Jahrzehnten an den „Ducks“ erfreut, soll vor allem lernen, dass es im Leben auch ohne Familie geht.
Warum eigentlich? Warum dieses Lieblingsprojekt der Freimaurerei, die Zerstörung der familiären und aller bestehenden Strukturen? Man kann es nur vermuten. Keine Familie, keine normale Fortpflanzung im Ehebett. Also künstliche Befruchtung und die Erschaffung des Menschen im Reagenzglas. Mit allen Möglichkeiten, die die modernen Biowissenschaften zu versprechen scheint, um dereinst den perfekten Menschen zu züchten. Die Eugenik lässt grüßen – oder der „Club of Rome“. Wie nennen das die Freimaurer? Die Arbeit am Menschen, die „Arbeit am rauen Stein“. Entenhausen ist mitten unter uns. Die Saat ist längst aufgegangen. Das ist eine harte Nuss, die da auf der kommenden  Bischofssynode zu knacken ist. Und wehe, einer der Synodenväter liest unter der Bank einen Comic aus Entenhausen.
Vielmehr sollten sich die Bischöfe mit uns fragen: „Onkel Donald, wer ist dieser Mann?“ Vater der drei Neffen Tick, Trick und Track – wir sagten es schon – ist er offensichtlich nicht. Daisy Duck ist auch nicht seine Frau. Und so weiter. Am ehesten, so scheint es, sind die drei Kleinen wohl Waisen, die von dem cholerischen Donald in einer frühen patchwork-Familie unter seine Fittiche und in Obhut genommen wurden. Doch ganz so einfach und barmherzig ist die Sache wohl nicht. Denn Walt Disney, der Schöpfer und Förderer des Universums von Entenhausen (und des Disney-Imperiums), war kein einfacher Philantrop und noch weniger ein tumber Tor. Er war ein Pionier jener Heere von Sozialingenieuren, die die Welt jeden Tag ein wenig mehr auf den Kopf stellen wollen. In der schönen neuen Welt von Morgen sind wir – wenn die Rechnung der Spezialisten und Priester der neuen Zivilreligion des Gender-Main-streaming denn irgendwann aufgeht und an ihr Ziel gekommen ist – allesamt Waisen wie Tick, Trick und Track, nur nicht ganz so lustig.

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