VATICAN-magazin

Editorial

Der Sandsack Amazonien

von Guido Horst

Nach der Synode ist vor dem „Synodalen Prozess“. Der Ausgang der römischen Sonderversammlung zu Amazonien erinnert an den der Synode von 2015: Die Bischöfe hatten die Tür für die Kommunionzulassung wiederverheirateter Geschiedener im Einzelfall einen Spalt breit geöffnet – und mit „Amoris laetitia“ ging Papst Franziskus dann hindurch. Auch die Amazonas-Synode hat eine Tür aufgemacht: für die Priesterweihe verheirateter Männer im Einzelfall – und alle warten nun auf das postsynodale Schreiben von Franziskus, der diesen Spalt wohl kaum wieder schließen wird. Der Vorschlag der Bischöfe an den Papst lautet, Kriterien und Verfügungen zusammenzustellen, um geeignete und in ihrer Gemeinde anerkannte Männer zu Priestern zu weihen, die schon Ständige Diakone sind, eine angemessene Ausbildung für das Priestertum erhalten und in einer legitimen und stabilen Familie leben. Und einige Synodenväter schlugen vor, sich dieser Frage universalkirchlich zu nähern. Passt doch. Wir haben zwar in Deutschland einen Gläubigenmangel, der als Priestermangel verkauft wird, aber viele verheiratete Ständige Diakone, die theologisch gut gebildet sind und mit ihren Familien in ordentlichen Verhältnissen leben.

Wer jetzt in Rom Kardinal Reinhard Marx nach den „Viri probati“ und dem Verlauf der Amazonas-Synode fragte, bekam die oft wirsche Antwort: Es gehe nicht um den Zölibat, es gehe um die Menschen. Oder: Es gehe nicht um verheiratete Priester, es gehe um das Weltklima und die Rettung unseres Planeten. Ja. Das war ja mit dem Synoden-Thema der umfassenden Ökologie auch gemeint. Aber hat nicht das Schreiben „Amoris laetitia“ in sieben Kapiteln Richtiges und Schönes (aber nichts Neues) über Ehe und Familie gesagt, um dann mit zwei Fußnoten in Kapitel acht die Kirche aus den Angeln zu heben?

Zu Recht hat der Wiener Kardinal Christoph Schönborn in der Synodenaula darauf hingewiesen, dass es in den Amazonas-Diözesen so wenige Ständige Diakone gibt. Da kann es lange dauern, bis zukünftige „Kriterien und Verfügungen“ greifen, um – im Einzelfall – einen von ihnen zum Priester zu weihen. Aber Schönborn und Marx wissen auch, wie das ist, wenn man einen Sandsack aus der Schutzmauer herauszieht. Dann hat der Wasserdruck ein Ventil und schwemmt blitzschnell eine ganze Bresche frei, die niemand mehr schließen kann. Kleine Fußnoten in „Amoris laetita“ haben gereicht, um rund um den Planeten einen laxeren Umgang mit der Kommunion und eine Verdunkelung der Unauflöslichkeit der sakramentalen Ehe zu fördern.

Kardinal Marx, der sich als Koordinator des vatikanischen Wirtschaftsrats derzeit wohl mehr Sorgen um die vatikanischen Finanzskandale – die drohende Zahlungsunfähigkeit eingeschlossen – als um den „Priestermangel“ in Deutschland machen muss, wird sehen, wie die kirchlichen, das heißt kirchensteuerfinanzierten Medien in seiner Heimat den kleinen synodalen Sandsack „im Einzelfall zu weihender Ständiger Diakone“ zum Einfallstor für eine ganze Flut von Forderungen von Theologen, Verbandskatholiken und vielleicht auch Bischöfen machen werden, der den „Synodalen Weg“ zusätzlich unter Druck setzen wird. Nur beim Frauendiakonat, da hat die Synode keine Vorlage geliefert. Diese Frage soll an eine Kommission bei der Glaubenskongregation zurückverwiesen werden. Geklärt ist damit nichts. Aber der Druck auf die Bischöfe wird bleiben.


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