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Editorial

Eine Erfolgsstory

von Guido Horst

Während dieses Heft in Druck geht, hat der Weltjugendtag in Panama begonnen, der eine Erfolgsgeschichte fortführt, die einen wirklich hoffen lassen kann. Und das gerade in einer Zeit, in der mancher mit der Hierarchie hadert, weil sie seit Monaten mit unrühmlichen Schlagzeilen auf sich aufmerksam macht. Auch in Deutschland, wo gegen einige verstorbene oder im Ruhestand lebende Hirten der Vorwurf erhoben wird, es mit dem Schutz von Kindern und Jugendlichen vor lüsternen Klerikern nicht so genau genommen zu haben. Fast täglich steht nördlich der Alpen ein Bischof oder Kirchenverantwortlicher auf und erklärt, was sich in der Kirche ändern muss. Ob es die Segnung von homosexuellen Paaren ist, die Einführung von Diakoninnen, die Abschaffung der Kirchensteuer, die Lockerung beim Zölibat – im Jahr der Amazonas-Synode wird das das Thema der kommenden Monate –, die Tilgung des Wortes „christliches Abendland“ oder die Wiederbelebung vergessener Gurus wie Eugen Drewermann. „Es kann nicht so weitergehen“ lautet der „cantus firmus“ dieser Tage. Und es stimmt: Der Kirche laufen die Gläubigen davon, der christliche Grundwasserspiegel in unseren Gesellschaften sinkt dramatisch, die Gotteshäuser werden immer leerer, die Volkskirche alten Stils hat ausgedient und über weite Teile Europas hat sich bereits die Eiszeit des Postchristentums ausgebreitet.

Da sind die Weltjugendtage ein Mut machendes Zeichen dafür, dass dem Heiligen Geist immer etwas eingefallen ist, wenn dem pilgernden Volk Gottes auf Erden die Piste auszugehen scheint – frei nach dem Motto Gilbert Keith Chestertons: „Wenigstens fünf Mal ist mit den Arianern und mit den Albigensern, mit den humanistischen Skeptikern, mit Voltaire und mit Darwin der Glaube allem Anschein nach vor die Hunde gegangen. Und in jedem dieser fünf Fälle war es aber der Hund, der starb“. So war es auch mit den Weltjugendtagen. In weiten Teilen des Westens drohten der Kirche in den Jahren nach der 68er-Revolution die nachwachsenden Generationen auszugehen: Die jungen Menschen schienen sich anderen Ideen zuzuwenden: den marxistischen Erlösungslehren, der Hippie-Kultur, fernöstlichen Religionen und einem Lebensgefühl, das keine Autorität, keine Normen, geschweige denn Dogmen mehr duldete. Getragen vom Geist von Woodstock und dem „Make love, not war“ probierte man alles aus, Drogen und Sex. Papst Paul VI. lud im Heiligen Jahr 1975 zu einem Jugendtreffen am Palmsonntag ein. Zwanzigtausend kamen, der zündende Funke blieb aus. Als der Papst der Enzyklika „Humanae vitae“ 1978 starb, war der Petersplatz beim Requiem halb leer. Die lateinische Kirche schien im Westen die Jugend verloren zu habe.

Wer angesichts der schwächelnden Kirche in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts und vor allem des Verlusts der Jugend in der Nach-68er-Zeit ein nahes Ende der lateinischen Christenheit diagnostizierte, für den hätte es den wenige Jahre später einsetzenden Boom der Weltjugendtage nie geben dürfen. Nach zwei gelungenen Jugendtreffen 1984 und 1985 in Rom fand dann 1986 – wieder in der Ewigen Stadt – der erste internationale Weltjugendtag statt, und als er sich im Jahr darauf in Buenos Aires wiederholte, wurde mit der Teilnehmerzahl bereits die Millionengrenze erreicht. Und die Abschlussmesse beim Weltjugendtag 1995 in Manila wurde mit vier Millionen Teilnehmern zum bis dahin größten Massentreffen der Menschheitsgeschichte. Als Johannes Paul II. 2005 starb, strömten 3,5 meist jüngere Menschen nach Rom, die Saat der Weltjugendtage war aufgegangen. Ihre Erfolgsstory sollte eine Medizin gegen die Versuchung sein, kleinmütig und verzagt in die Zukunft zu schauen.


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