VATICAN-magazin

Disputa

Die Gefechtslage

Warum ein Kardinal widerspricht, wenn ein anderer Kardinal Katechismus-Wahrheiten zusammenstellt

Es ist ein wahrer Disput, den sich die im selben römischen Palazzo wohnenden Kardinäle Gerhard Müller und Walter Kasper geleistet haben. Der ehemalige Glaubenspräfekt sieht viel Verwirrung in der Kirche, stellt zentrale Katechismus-Wahrheiten heraus und wird konkret, wenn es um die immer wieder diskutierten Fragen geht: Kommunionempfang der Wiederverheirateten, Zölibat und Frauenweihe. Dem ehemaligen Präsidenten des vatikanischen Ökumene-Rats passt das nicht, und er hält dagegen. Da diese „Gefechtslage“ derzeit symptomatisch ist für den Streit in Kirche, Episkopat und Kardinalskollegium, veröffentlichen wir beide Texte. Auch zwischen den Zeilen sagen sie einiges aus.

Ausschnitt aus der „Disputa del Sacramento“ von Raffael, 1509–1510. Stanza della Segnatura, Apostolischer Palast, Rom.
Foto: Xpress

„Euer Herz lasse sich nicht verwirren!“ (Joh 14,1)

Der „Katechismus der Katholischen Kirche“ als Maßstab: Im Wortlaut das Glaubensmanifest von Gerhard Kardinal Müller

Angesichts sich ausbreitender Verwirrung in der Lehre des Glaubens, haben viele Bischöfe, Priester, Ordensleute und Laien der katholischen Kirche mich um ein öffentliches Zeugnis für die Wahrheit der Offenbarung gebeten. Es ist die ureigene Aufgabe der Hirten, die ihnen Anvertrauten auf den Weg des Heils zu führen. Dies kann nur gelingen, wenn dieser Weg bekannt ist und sie ihn selber vorangehen. Dabei gilt das Wort des Apostels: „Denn vor allem habe ich euch überliefert, was auch ich empfangen habe“ (1 Kor 15,3). Heute sind vielen Christen selbst die grundlegenden Lehren des Glaubens nicht mehr bekannt, so dass die Gefahr wächst, den Weg zum Ewigen Leben zu verfehlen. Es bleibt aber die ureigene Aufgabe der Kirche, die Menschen zu Jesus Christus, dem Licht der Völker, zu führen (vgl. LG 1). In dieser Lage stellt sich die Frage nach Orientierung. Nach Johannes Paul II. stellt der „Katechismus der Katholischen Kirche“ eine „sichere Norm für die Lehre des Glaubens“ (Fidei Depositum IV) dar. Er wurde mit dem Ziel verfasst, die Brüder und Schwestern im Glauben zu stärken, deren Glaube durch die „Diktatur des Relativismus“ massiv in Frage gestellt wird.


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