VATICAN-magazin

Disputa

Ein Leben unter Indios

Die Amazonas-Synode ganz nüchtern gesehen, ohne die Brille der (europäischen) Ideologie

Der aus Grefrath bei Krefeld stammende Herbert Douteil kam 1979 als Spiritaner-Missionar in das Amazonas-Gebiet und arbeitete zuerst in der brasilianischen Diözese Cruzeiro do Sul unter den Gummischneidern und darauf unter den Katukina-Indios, die an der Transamazônica wohnten. Der heute 84 Jahre alte Priester hat in seiner Zeit unter den Indios alles erlebt – bis hin zu einem Streifschuss am Kopf, abgefeuert von einem Drogenhändler. Vor allem aber hat der Missionar alle Schwierigkeiten und Herausforderungen kennengelernt, die jetzt auf der Tagesordnung der Amazonas-Synode stehen. Als Priester, der die Sorgen der Menschen am Amazonas kennt, antwortet er ganz unideologisch auf die Fragen, die den Lenkern der römischen Bischofsversammlung im Oktober ein Hebel sein sollen, aus dem Geist Amazoniens heraus eine ganz neue Kirche zu gestalten. Priesterlose Gemeinden, Frauen in der Seelsorge, Inkulturation und Liturgie – auf alles das geht Pater Douteil ein, nicht aus dem Geist einer „teologia india“ heraus (die der Spiritaner gar nicht kennt), sondern aufgrund seiner Erfahrung als Priester, der bei und unter den Indios war.

Ein Missionar, der die Sorgen der Menschen am Amazonas wirklich kennt: Pater Herbert Douteil Cssp.
Foto: Archiv

Europäische Nebelkerzen und wie das Leben unter Indios wirklich ist

„Viri probati“, Frauen und eine inkulturierte Liturgie: Ein Interview zur Amazonas-Synode mit dem Spiritaner-Missionar Herbert Douteil CSSp

von Guido Horst

Das „Instrumentum laboris“ zur Amazonas-Synode geht davon aus, dass sich diese Region in großer Not befindet: die Natur, der Mensch, die Schöpfung. Wie nehmen Sie diese reale Bedrohung wahr?

Ich arbeite seit 1979 in der westlichsten Diözese von Brasilien, in Cruzeiro do Sul an der Grenze zu Peru; ehe ich hierherkam, hatte ich nach der priesterlichen Ausbildung an der Musikhochschule in Köln und den Universitäten Köln und Bonn studiert, habe promoviert und kritische Editionen von mittelalterlichen Handschriften herausgegeben. Ich kam nach hier, weil ich glaubte und glaube, dass die Arbeit für die Menschen wichtiger ist als die mit mittelalterlichen Handschriften... Hier sah ich sogleich, wie die Welt sich rasant veränderte: Die früheren Gummischneider konnten nicht mehr überleben – tausende Familien mussten eine neue Lebensgrundlage finden. Wir halfen durch Aufkauf ihrer Produkte und Verkauf von lebensnotwendigen Waren aus der Stadt an sie – doch diese Hilfe konnte nur sehr begrenzt und mehr oder weniger punktuell sein. Es kam bei den Gummischneidern zum Spruch: „Jesus (der Name eines der Gummihändler) ist ein Teufel (der uns nur aussaugt), der Padre ist ein Heiliger (weil er uns immer hilft)“. Was ich tun konnte, war im Grunde sehr wenig, aber genügte, dass ich auf die Abschussliste der Gummihändler kam.


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