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Editorial

Franziskus und seine Knoten

von Guido Horst

Bald geht das siebte, das „verflixte“ Jahr des Pontifikats von Franziskus zu Ende und die Knotenlöserin, eine Bezeichnung der Gottesmutter, die Jorge Mario Bergoglio besonders gefallen hat, hat einiges zu tun. Welches sind Knoten, die sich nun endlich lösen müssen? Da ist das nachsynodale Schreiben zur Amazonas-Synode, das noch im vergangenen Jahr erscheinen sollte und Auskunft darüber geben wird, ob die Kirche auf die Wege geschickt wird, die die Ideologen des REPAM schon auf der Synode festklopfen wollten. Der Papst scheint innerlich davon Abstand genommen zu haben, den Indio zum neuen Paradigma des katholischen Glaubens zu machen. Das „Instrumentum laboris“ der Versammlung, aus dem man das herauslesen konnte, hat er noch während der Synode als „Märtyrer-Text“ zur Vernichtung freigegeben, und er kam auch nicht mehr auf den Amazonas als Ort einer neuen göttlichen Offenbarung zurück. Aber das Frauendiakonat und die verheiraten Priester waren dann doch Themen im Schlussdokument, über die letztlich Franziskus entscheiden muss.

Ebenfalls schon im vergangenen Jahr sollte die Konstitution zur Kurienreform erscheinen. Wird sie der universalen Kirchenleitung mit einem neu austarierten Verhältnis zwischen Ortskirchen und römischer Zentrale unwiderruflich einen Kurswechsel verordnen oder nicht? Man weiß es nicht. Auch hier zählt am Ende der Wille des Papstes. Dynamit wird der immer wieder angekündigte Bericht zu dem erst aus dem Kardinals-, dann aus dem Klerikerstand entlassenen Serientäter „Uncle Ted“ McCarrick enthalten, wenn er denn offenlegt, was man an oberster Stelle im Vatikan über das Sexualleben des ehemaligen Kirchenführers wusste – und über was man hinweggesehen und was man verschwiegen hat, da der geniale Spendensammler so etwas wie ein Goldesel für die Kurialen war.

Und da man schon beim Geld ist: Die Untersuchung über die verunglückte Geldanlage in London, die einen Machtkampf im Vatikan mit Razzien in Staatssekretariat und bei der Finanzaufsicht, die Suspendierung von fünf Mitarbeitern sowie die Entlassung des Polizeichefs des Papstes sowie des Präsidenten der Finanzaufsicht zur Folge hatte, hat noch gar nicht begonnen. Will Franziskus den Fall versanden lassen? Auch die Reform, die bisher am endgültigsten ist, die Neuordnung der vatikanischen Medienarbeit unter dem Dach einer einzigen Behörde, wird sich erst dann nicht mehr rückgängig machen lassen, wenn man weiß, wie es mit dem „Osservatore Romano“ weitergeht, ob das Mediendikasterium auch diese Traditionsmarke schluckt. Das alles sind die Knoten, die Franziskus lösen muss. Ein Papst ist zum Regieren verdammt. Tut er es nicht, dann scheitert er.


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