VATICAN-magazin

Präsentation

Für die Wahrheit Zeugnis ablegen

Am 17. Oktober stellte Erzbischof Georg Gänswein in Frankfurt sein Buch „Vom Nine-Eleven der Kirche“ vor. Ein Abend unter dem Eindruck des Tagesheiligen, des heiligen Ignatius von Antiochien, der für die unveränderliche Wahrheit der apostolischen Überlieferung sein Leben hingab

von Dirk Weisbrod

Foto: Michael Hesemann
Erzbischof Georg Gänswein bei der Buchvorstellung.

Pater Jörg Weinbach OT, Rektor der Deutschordenskirche zu Frankfurt, lächelte heiter mit seinem ganzen Gesicht, als er kurz vor 18 Uhr den Altarraum betrat. So überfüllt hatte er seine Kirche selten gesehen. Bis auf den letzten Platz und darüber hinaus erwarteten die Gläubigen das Pontifikalamt mit Erzbischof Georg Gänswein. Nicht anders war es wenig später im gegenüberliegenden Rittersaal der Frankfurter Deutschordens-Kommende, wo am selben Abend dessen Buch „Vom Nine-Eleven der Kirche“ vorgestellt wurde. Der Buchtitel bezieht sich auf den Missbrauchsskandal in der Kirche. Die zweihundert Sitzplätze reichten nicht aus. Etliche Zuhörer mussten im Kreuzgang bleiben, wohin die Veranstaltung übertragen wurde. Viele Medienvertreter waren gekommen – und das während der Frankfurter Buchmesse! Pater Jörg war zuvor noch skeptisch, ob die Presse angesichts der übermächtigen Konkurrenzveranstaltung überhaupt Notiz von dem Ereignis auf der anderen Mainseite in Sachsenhausen nehmen. Es kam anders!

Denn Gänswein ist kein gewöhnlicher Erzbischof, sondern, wie Gänsweins Verleger Bernhard Müller in der anschließenden Buchvorstellung betonte, der „Diener zweier Päpste“ und hat damit eine Stellung inne, die es so in der ganzen Kirchengeschichte noch nie gegeben hat. Zudem kam er während der Amazonas-Synode und kurz vor Beginn des „Synodalen Weges“ von DBK und ZdK nach Deutschland. Was würde er da zu sagen haben?

„Stat crux dum volvitur orbis – Das Kreuz steht fest, während die Welt sich dreht!“ Das ist der Wahlspruch des Kartäuserordens, zu dem sich Gänswein in seiner Jugend hingezogen fühlte. Und es war der Satz, den Prinz Asfa Wossen-Asserate aus dem äthiopischen Kaiserhaus, der Laudator des Abends, seinen Überlegungen voranstellte. Das hatte er auch in seinem Vorwort zu Gänsweins Buch getan, um dann den roten Faden der vorliegenden 19 Predigten, Vorträge und Interviews zu nennen: „Der Diktatur des Zeitgeists zu widerstehen und entschieden aus der Wahrheit des christlichen Glaubens heraus zu leben.“ So geschah es auch in den drei großen Akten des Abends: Pontifikalamt, Buchvorstellung und Pressekonferenz.

War es die Vorsehung, die Georg Gänswein den heiligen Ignatius von Antiochien als Tagesheiligen und Mittelpunkt seiner Predigt servierte? Jener Ignatius, der als Nachfolger des heiligen Petrus Bischof von Antiochien war und unter Kaiser Trajan in Rom das Martyrium erlitt, als er den Löwen zum Fraß vorgeworfen wurde – als Zeuge der Wahrheit: „Ignatius war der erste christliche Autor, der die Jungfrauengeburt Jesu aus Maria betonte, und der erste, der den Begriff ,katholisch’ für die Kirche verwendete. Nach Papst Benedikt XVI. hat ‚kein Kirchenvater mit der Intensität des Ignatius die Sehnsucht nach der Einheit mit Christus und nach dem Leben in ihm zum Ausdruck gebracht.‘ (…) Er selbst war kein Apostel mehr. Dennoch hielt Ignatius leidenschaftlich und unverbrüchlich fest an der Überlieferung aus dem Kreis der Zwölf. Er stand und lebte und starb für das, was unsere Kirche zu einer apostolischen Kirche macht.“

Foto: Xpress
Das Martyrium des heiligen Ignatius von Antiochien.

Der Erzbischof erinnerte auch an Frankfurts apostolische Tradition, wonach „im Kaiserdom die Schädeldecke des heiligen Apostels Bartholomäus aufbewahrt wird, der sich der Überlieferung zufolge bei seinem Martertod noch die Haut für Christus abziehen ließ. Durch diese Reliquien ist auch Frankfurt am Main spätestens seit dem Jahr 1215 eine apostolische Schwesterstadt Roms geworden,“ und wo unter der Ägide des Stadtdekans der Mainmetropole – wie wir hinzufügen müssen – für das uralte Bartholomäusfest der Begriff „Stadtkirchenfest“ eingeführt wurde. Erzbischof Gänswein nannte keine Namen, seine Worte waren frei von jeder Polemik, sein Fazit aber war umso deutlicher: „Eine Schwächung dieser apostolischen Dimension der Kirche würde jede katholische Gemeinde auch und gerade heute nicht nur von der großen Weltkirche scheiden, sondern auch von der Kirche aller Zeiten seit ihrem Ursprung in Christus. Denn wo immer diese apostolische Verbindung schwächer wird, sind wir versucht und in Gefahr, nur noch uns selbst und nicht mehr den Herrn als das Haupt der Kirche zu feiern, wie Papst Benedikt XVI. nicht müde wurde, zu warnen.“

Da wundert nicht, dass Gänswein das Kapitel „Ich bin ein Leuchtturm!“ für die Buchvorstellung auswählte, in dem er sich an werdende Priester richtet: „Sie müssen wie der Mann auf dem Leuchtturm auf Klippen und Gefahren hinweisen. Wenn Sie das Wort Gottes verkünden, dann verkünden Sie nicht liebgewonnene Theorien oder selbstgesponnene Ideen, sondern das Wort des Heils. Wenn Sie die Sakramente spenden, dann kommt die Kraft, die Wirkung, aus den Sakramenten selbst.“ Und weiter: „Wenn Priester und Bischöfe nicht mehr den Mut haben, das Evangelium kraftvoll und unverkürzt zu verkündigen, sondern eigene Weisheiten zum Besten geben, dann gibt es Unheil, dann hagelt es Schlagzeilen. Haben wir davon in jüngster Zeit nicht mehr als genug gehabt? Wer eine neue Kirche erfinden möchte, wer an deren DNA herumschrauben will, der ist auf dem Holzweg, der missbraucht seine geistliche Vollmacht.“

Foto: Paul Badde
Der Martertod des heiligen Apostels Bartholomäus.

Mit diesen Worten hatte er auch den Tenor der folgenden Pressekonferenz vorweggenommen, die wie selbstverständlich um die schon angesprochenen Ereignisse dieser Tage kreiste. Mit seinen Antworten wollte Gänswein vor allem die Anwesenden im Glauben stärken, so wie es der heilige Ignatius mit seinen „Heiligen Briefen“ am Anfang der Christenheit tat. Immerhin gebe es auch in Deutschland eine große Zahl von treuen Katholiken. „Funktionäre, die das große Wort führen“ seien nicht die „Lautsprecher der Mehrheit der Katholiken in Deutschland.“ Entscheidend sei die Glaubensfreude eines Menschen, die gerade vielen dieser Funktionäre fehle. Deshalb solle man auch nicht warten, bis eine Initiative von oben käme, sondern selbst „kleine Glaubenszellen“ bilden.

So war der Tagesheilige bis ganz zum Schluss präsent, als der Erzbischof seine Bücher signierte, auf denen auch sein Wappen abgebildet ist mit dem Wahlspruch: „Testimonium perhibere veritati” – „Für die Wahrheit Zeugnis ablegen.“


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