VATICAN-magazin

Mission

„Gott ist die Liebe, lieber Freund!“

Wie ein gerade getaufter Katholik Muslimen den christlichen Glauben erklärt

von Jacques Michaelis

Foto: Paul Badde
"Ich bin das Licht der Welt" auf Arabisch – im Licht des jüngsten Fensters im Kölner Dom.

Vor seiner Himmelfahrt schärfte Christus den Aposteln folgendes ein: „Geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich Euch geboten habe. Seid gewiss: Ich bin bei Euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ (Mt. 28, 19-20)

An diesen Auftrag Jesu hat sich die katholische und apostolische Kirche lange gehalten. Denn müssen wir diese letzten Worte nicht als Christi ureigenes Testament verstehen? So geschah es jedenfalls, zumindest bis zur ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts, in dem die Kirche Europas noch einmal Missionare bis in die hintersten Winkel der Erde aussandte. Damit ist es längst vorbei. Nun ist es vielmehr so, dass „alle Welt“ selbst in vielen Flüchtlingswellen in das ehemals christliche Europa drängt, besonders häufig aus der Welt des Dār al-Islām, vom „Haus des Islam“. Die ganze Welt ändert sich. Alles ändert sich rasant, wie wir sehen. Doch Christi Auftrag ändert sich nicht und bleibt bestehen bis zum Ende der Tage.

Darum muss die Fatima-Aktion von einer Veröffentlichung berichten, mit der ein junger Katholik namens Christian Mansour sich an seine ehemaligen muslimischen Glaubensbrüder und -schwestern wendet, um ihnen unter diesen radikal neuen Bedingungen das Evangelium nahe zu bringen und zu erklären.

Kein leichtes Unterfangen, stößt doch bei Muslimen schon der christliche Gottesbegriff auf großen Widerstand. So verstehen Muslime die Vorstellung, Gott habe einen „Sohn“, als Lästerung des einen Gottes. Da verfangen dann auch die Worte in Lumen Gentium, 16, nicht, dass die Muslime – „nobiscum“ das heißt: mit uns – „den einen Gott anbeten“, der angesichts der Dreifaltigkeit aber eben doch nicht derselbe ist. Wie soll man das erklären?

Christian Mansour geht einen ganz einfachen, fast franziskanischen Weg. Er antwortet auf die Frage nach dem Gott in drei Personen mit dem Herzen: „Gott ist die Liebe!“ Und da Liebe ein Gegenüber braucht, muss es auf der göttlichen Ebene eine Person (aber keinen weiteren Gott) geben, mit der Er im liebendem Austausch steht. „Diese Person ist genau Sein Sohn, das heiß Sein Wort. Das Band unendlicher Liebe, das den Vater und den Sohn vereint, nennen wir den Heiligen Geist.“

„Lieber Freund“, so lautet auch der Titel des Buches und liebevoller und intuitiver ist das christliche Konzept von Person vielleicht niemals erklärt worden. Dabei erhebt der Verfasser keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Er will mit diesem bescheidenen, aber nützlichen katechetischen Instrument nur eine erste Spur legen und erste Antworten geben für Muslime, die offen dafür sind, nach Christus als unserem Erlöser zu fragen.

Anlass und Auslöser dieser Arbeit, so Mansour, waren aber vor allem die Debatten im arabischen Internet, wo alles Mögliche und Unmögliche zum Thema Christentum gesagt und gefragt wird. Da habe er sich und seinen Freunden gesagt: „Darauf schreiben wir jetzt gemeinsam Antworten. Wer kennt denn unsere Brüder und Schwestern und ihre Mentalität besser als wir?“

Sehr ermutigend für dieses Unternehmen sind die prophetischen Worte, die Kardinal Robert Sarah in seinem neuen Buch („Der Abend naht und schon neigt sich der Tag“ 2019, Fe-medien) zu der vom Nihilismus Europas abgeschreckten Jugend fand: „Die aus der Immigration stammenden Jugendlichen lehnen die atheistische Gesellschaft ab. Wer wird also den Mut haben, ihnen noch einmal ein Europa anzubieten, das stolz auf sein christliches Erbe ist? Die Evangelisierung der jungen Europäer muslimischer Herkunft müsste eine pastorale Priorität sein. Ich bin davon überzeugt, dass sie von uns ein klares und festes Bekenntnis erwarten. Wir dürfen im Namen eines falsch verstandenen interreligiösen Dialogs nicht länger kleinmütig und schüchtern sein in der Verkündigung Christi!“

Wie müssen diese Worte in den Ohren jener klingen, die zwar auf den interreligiösen Dialog viel geben, aber selbst auf Nachfragen den christlichen Glauben nicht erklären können oder wollen. Christian Mansour tut es, wo wir oft von zu viel Rücksichtnahme getrieben sind. Und deswegen hängt sein Erfolg, seine Mission und auch sein Wagnis davon ab, ob wir dieses Buch unseren muslimischen Nachbarn, Freunden, Kollegen in die Hand drücken oder es in einer Arztpraxis oder an anderer passenden Stelle auslegen. Wir dürfen gewiss sein: Viele Muslime warten darauf!


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