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Meiner Meinung nach

Guter Ansatz mit zweifelhafter Marschrichtung

Ein Nachwort zur Jugendsynode im Vatikan

von Christoph Münch

Foto: Privat
Der Autor dieses Beitrags ist Religionslehrer in Kreuzau in Nordrhein-Westfalen.

Meiner Meinung nach muss sich die katholische Kirche zukünftig viel stärker als bisher auf die nachwachsenden Generationen konzentrieren; stellen sie doch die Zukunft der Kirche dar. Und gerade mit dem Blick des katholischen Religionslehrers kann ich sagen, dass schon jetzt ein Großteil der heutigen Jugendlichen – selbst der nominell katholischen – nahezu keinen Bezug mehr zum Glauben und noch weitaus weniger zur Kirche hat. Genau deshalb war die Einberufung einer Bischofssynode zu diesem Thema durch Papst Franziskus nicht nur sinnvoll, sondern auch dringend notwendig.

Dass im Vorfeld und auch während der Synode nicht nur über Jugendliche gesprochen wurde, sondern auch mit ihnen, ist nicht minder sinnvoll und notwendig gewesen. Allerdings wird an dieser Stelle bereits das Problem virulent, das zu beheben der Lösung des gordischen Knotens gleichkommt. Denn dabei stehen zwei äußerst divergierende Standpunkte einander gegenüber: einerseits eine Kirche mit ihrer traditionellen Lehre und dem Anliegen einer wahrhaftigen Seel-Sorge um des Himmelreiches willen; andererseits nachwachsende Generationen, die in ihren Standpunkten und ihrer zunehmenden Glaubensferne längst den Himmel aus dem Blick verloren haben und das Leben im Diesseits – gerade in der westlichen Welt – möglichst genussvoll zu leben verstehen.

Ganz zu schweigen von der Selbstverständlichkeit, mit der diese Generationen in Schule, Politik und Medien beispielsweise von der Gendertheorie geprägt werden, welche Papst Franziskus doch als „großen Feind“ bezeichnet und in deren Zusammenhang er immer wieder von „ideologischer Kolonisierung“ spricht. Die vermeintlich rigide Sexualmoral der katholischen Kirche und die vieldiskutierte Rolle der Frau tun ihr Übriges, um den Graben zwischen kirchlicher Position und jugendlichem Standpunkt zu vertiefen.

Das Problem wird durch die Tatsache noch weitaus diffiziler, dass hier nicht zwei Seiten aufeinander zugehen wollen und dabei um Positionen oder gar Kompromisse ringen; hat doch die Jugend wenig bis überhaupt kein Interesse daran, den vermeintlich unmodernen, weil antiquierten christlichen Glauben stärker ins eigene Leben zu integrieren. Denkt man in wirtschaftlichen Kategorien, so ist die katholische Kirche diejenige, die bisher vergeblich versucht, ihr „Produkt“ an die Jugend zu bringen.

Foto: Xpress
Papst Franziskus bei dem Vorbereitungstreffen mit jugendlichen Delegierten aus aller Welt im März dieses Jahres.

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx – immerhin der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz – scheint das Problem erkannt zu haben, kommt aber (wieder einmal) zu einer aus kirchlicher Sicht durchaus fragwürdigen, allerdings medienträchtigen Schlussfolgerung: „Kirche muss anders werden“, ganz so, als liege das Problem der verbreiteten Glaubensferne allein in der Fehlerhaftigkeit der katholischen Kirche.

So stellte sich folglich von vornherein die Frage nach der auch nur theoretischen Möglichkeit, die Synode zu einem tatsächlich erfolgreichen Ausgang zu führen.

Das sechzigseitige Abschlussdokument, das von den Synodalen in allen Abschnitten mit der notwendigen Zweidrittelmehrheit angenommen wurde, bleibt denn auch weitgehend unkonkret. Es zeigt die sicherlich wichtige Bereitschaft der Kirche, den Jugendlichen zuzuhören, verzichtet jedoch auf konkrete Maßnahmen.

Interessant ist die Tatsache, dass die Synode gar nicht vorrangig darüber gesprochen hat, wie eine Jugendpastoral zukünftig gestaltet werden kann, um den Glauben stärker im Leben der Jugendlichen zu verankern. Vielmehr wurden thematische Herausforderungen diskutiert, die der Jugend von heute wichtig sind: die digitale Umwelt, die Situation der Migranten und Flüchtlinge sowie das Thema Missbrauch. Hinzu kommen die Frage nach der Rolle der Frau in der Kirche und die Sicht auf Sexualität, hier insbesondere auch die Frage nach dem Umgang mit Homosexuellen.

Dass Papst Franziskus den Gang der Synode wohl mehr oder weniger in seinem Sinne und in seiner Marschrichtung beeinflusst hat, wird im Abschlussdokument am ehesten an der Stelle erkennbar, an welcher der für sein Pontifikat zentrale Begriff thematisiert wird: Unterscheidung. Konkret geht es also (wieder einmal) um die individuelle Erörterung schwieriger pastoraler Fragen mit einem Geistlichen, die Berufung auf das eigene Gewissen und sodann die Entscheidung in einer konkreten Situation. Dass dieses Prinzip für die katholische Kirche auch zukünftig wichtig sei, wird im Abschlussdokument explizit festgestellt.

Auf dem Hintergrund der Unterscheidung wird denn auch ersichtlich, warum die Frage nach der Jugendpastoral der Zukunft nicht zentral entschieden, sondern an die Ortskirchen delegiert wird. Denn die gesellschaftliche Einstellung (auch der Jugendlichen) zu bestimmten Themen ist in Deutschland nun mal eine andere als in weiten Teilen Afrikas.

Bei allen guten Gedanken und Ansätzen der Synode scheint sich die Befürchtung zu festigen, dass die Einheit der Kirche in bestimmten Fragestellungen zukünftig verloren gehen wird. Was die Entwicklung für Deutschland bedeutet, dürfte jedem klar sein, der die Äußerungen eines Großteils der deutschen Bischöfe in den letzten Jahren verfolgt hat. Dabei wird leider zu wenig gesehen, dass die Kirche nicht gut beraten ist, den Weg der Verweltlichung und Anpassung zu beschreiten; wird er doch gewiss nicht zu volleren Kirchen führen, sondern dem Relativismus weiter Bahn brechen, vor dem Benedikt XVI. vor Jahren beharrlich gewarnt hat. Doch diese Zeiten scheinen endgültig vergangen zu sein.


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