VATICAN-magazin

Der Doppel-Essay

Tuch, Liturgie und Kreuz

Eine Spurensuche von Klaus Berger und Melanie von Claparède

Oft wird behauptet, das Sindone von Turin und der Schleier von Manoppello seien nicht echt und somit keine Reliquien aus dem Grab Christi, sondern Fälschungen. Das sei insbesondere deswegen so, weil man ihren Weg durch die Zeit anhand der Quellen nicht lückenlos rekonstruieren und somit die Identität dieser Tücher mit den von den Evangelisten erwähnten Grabfunden auch nicht beweisen könne. Ist das wirklich so? Für uns haben sich zwei bedeutende Wissenschaftler auf Spurensuche begeben und sind fündig geworden. Denn wenn auch manchmal die direkten schriftlichen Quellen fehlen, so haben beide Tücher offenbar ihre Spuren in Liturgie und Ikonographie hinterlassen – und das seit frühester Zeit.

1.

Grabtücher im Ritus der heiligen Messe

von Klaus Berger

Im apokryphen Hebräer-Evangelium – das im zweiten Jahrhundert entstand – erscheint der auferstandene Jesus einem Sklaven des Hohenpriesters, um ihm ein Stück Grableinwand zu übergeben. Ganz offensichtlich sollte das, was auf diesem Stück Stoff zu sehen war, die Auferstehung beweisen, ja den Hohepriester und den Sanhedrin die Gottheit Jesu Christi vor Augen führen. Von diesem Evangelium kennen wir nur jene Textfragmente, die der heilige Bibelübersetzer Hieronymus zitiert hat (Hieron, vir. ill.2). Gerade deswegen gelten die überlieferten Passagen als vertrauenswürdig. Zudem ist der Text in hohem Maße jüdisch geprägt und spiegelt somit das Wissen der judenchristlichen geprägten Gemeinden rund hundert Jahre nach Passion, Kreuzigung und Auferstehung Jesu wieder. Da die Grableinwand hier ganz offenbar als Beweisstück verwendet wird, könnte man sogar fragen, ob die Tücher aus dem Herrengrab in Leben und Gottesdienst der Christen nicht schon immer eine besondere Bedeutung hatten.


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