VATICAN-magazin

Die pilgernde Redaktionskonferenz

Von Mahl zu Mahl

Heute: Ristorante Perdincibacco
Via delle Fornaci, 5/9
00165 Roma
Tel.: (0039) 06 / 63 25 27

Der Rhein mag in den Amazonas fließen, zuerst aber strömt er in den Tiber! Was manche kirchenpolitisch missverstehen könnten, ist hier vor allem kulinarisch gemeint. Dottore Weisbrod aus Bonn hat seinem Mitherausgeber in Roms Straße der Gnaden eine Flöns mitgebracht. Das ist jene Variante der Blutwurst, die kross angebraten zu Himmel und Ähd serviert wird, jenem köstlichen Gemisch aus Kartoffeln (Ähd), Äpfeln (Himmel) und geschmorten Zwiebeln, das man getrost als rheinisches Nationalgericht bezeichnen darf – und das unter römischem Himmel zubereitet noch mal so gut schmeckt. Doch Vorsicht! Zu viel und zu schnell genossen, liegt die Flöns schwer im Magen, führt zu Albträumen und passt sich so perfekt den aktuellen Verhältnissen an, wo innerhalb eines Tages aus dem gemeinsamen Buch von Benedikt XVI. und Kardinal Sarah in den deutschen Medien ein „Krieg der Päpste“, eine ultimative „Kirchen-Spaltung“ oder ein „Benedikt-Gate“ herbeiphantasiert wird, wo doch der Papa emeritus nur noch einmal das Urbild eines keuschen katholischen Priesters in Erinnerung ruft.

Da die Blutwurst den römischen Herausgeber lahmgelegt und dieser zudem noch Gäste zu Besuch hat, macht sich der Rheinländer auf den Weg zum Chef, um mit ihm zusammen noch einmal die letzten Tage Revue passieren zu lassen und festzustellen, dass trotz aller Gerüchte zwischen Himmel und Äad kein Keil zwischen Kardinal Sarah, den Papst und den Papa emerito getrieben werden kann. Da trifft es sich ganz gut, dass unser Avvocato Udwari aus Frankfurt ebenfalls anwesend ist, wo der Synodale Weg ja gerade sprechenderweise aus dem Bartholomäusdom in ein evangelisches Tagungshaus umziehen musste. Er selbst bleibt aber als „eschter Frangfodder“ seinem Dom treu, für den wir ihm deswegen auch unseren Foto-Essay reserviert haben.

Es ist also einiges los am Tiber, weswegen der Chef nur wenig Zeit für lange Anfahrtswege hat und uns in die Trattoria „Perdincibacco“ unter seinem Büro einlädt, was so viel wie „Meine Güte“ oder „Mein Gott“ bedeutet, wobei der Bacco für Bacchus steht. Ihm huldigen wir mit einer Flasche weißem Hauscuvée, der uns zufrieden stellt, auch wenn er verschnitten ist. So können wir uns das „Meine Güte“ für die Vorfälle um das Buch aus dem Verlag Fayard aufheben, wofür der Chef ein passendes Titelthema geschrieben hat und dabei bleibt, dass Benedikt und Kardinal Sarah in kosmischen Gewittern vor allem nur ganz schlicht für die heilige Eucharistie und den Zölibat einstehen. Dazu gibt es als Vorspeise ein Haus-Antipasto aus Zuccini, Melanzane, leider einen Tick zu weich geschmort, sowie Pecorino, Parmesan, Salami und Parmaschinken.

Während unser Avvocato als Hauptspeise „Carciofo, und nur Carciofo“ bestellt, um für den Glauben in seinem Frankfurt und die dort tagenden Synodalen zu fasten, freuen wir uns über den Besuch Kardinals Kochs und dessen Predigt über das „Antlitz Christi“ in Manoppello, womit es dem Ökumene-Kardinal aus der Schweiz endgültig gelungen ist, den 2016 wiederaufgenommen Faden des Omnis- Terra-Festes als wirkliche und wahre Tradition zu stabilisieren. Dazu gibt es nicht nur eine starke Wort- und Bildmeldung zum Volto Santo des Kölner Künstlers Ulrich Moskopp, sondern auch ein zartes „Scaloppina alla piazzola“ in Tomatensoße, während der Chef, wie die Leser das von ihm kennen, ein „Bistecca ben cotta“ bestellt. Damit ist das frugale Mahl auch schon beendet. Umso üppiger das neue Heft, wo wir den „katholischen Freigeist“ Stefan Meetschen gleich zwei Mal feiern. Einmal für seinen Artikel über den großen Russen und „Ökumeniker des Glaubens“ Wladimir Solowjow, der wie vielleicht kein zweiter den Antichristen für unsere Zeit entlarvt hat; und ein zweites Mal für seine Bekehrungsgeschichte, in der er sich gelegentlich fragt: „Wo bin ich da nur hineingeraten?!“ Da ergänzen wir nur noch: in die wahre Kirche Christi.

Zum Dessert serviert uns Rudolf Gehrig nun noch einen Happen über die „MEHR-Konferenz“. Denn dieselbe Kirche ist jung, wie wir wissen. Als Dank geht unser offener Brief danach an den wackeren MEHR-Organisator Johannes Hartl. Da im Logbuch schon die Fastenzeit über den Tellerrand schaut, verzichten wir ganz solidarisch mit unserem Avvocato auf das Dessert, bleiben aber bis zum Schluss beim Verschnittenen: Besser der Wein, als die Kirche, denken wir. Darauf am Abend noch eine Flöns. Wohl bekomm’s.


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