VATICAN-magazin

Die pilgernde Redaktionskonferenz

Von Mahl zu Mahl

Heute: Magazzino Scipioni
Via degli Scipioni, 30
00192 Roma
Tel.: (0039) 06 / 397 452 33

Wir hatten das Titelbild schon im Kopf und ein entsprechend prächtiges Foto herausgesucht, als wir am Veilchendienstag im „Maggazino Sccipioni“ eintrafen. Es sollte der Malström sein, der legendäre Strudel, der Schiffe und Flotten mit sich in die Tiefe reißt, als Sinnbild, dass ein gigantischer Strudel aus Horrornachrichten nun auch das Schifflein Petri in den Orkus zu zerren scheint. „Nein,“ sagt da der Chef, als die Kellnerin mit der Weinkarte an den Tisch tritt, „genug ist genug! Das wollen unsere Leser und auch sonst kein Christ, der es noch bleiben will, jetzt mehr hören oder lesen. Vom Drama berichten wir jedes Mal. Wenn wir jetzt aber nicht auch zur Schönheit der Weltkirche zurückfinden, können wir eine Flasche Champagner kommen lassen und die schöne Leich begießen und nachhause gehen.“

An Champagner fehlt es nicht im Magazzino, wovon wir uns dann aber doch nur jeweils einen gescheiten Schluck genehmigen, bevor wir eine Flasche Sauvignon aus Südtirol an den Tisch kommen lassen und unser Titelproblem mit dem entsprechenden Auftrag an den Guido Rodheudt nach Herzogenrath bei Aachen weiterleiten. In unserer DISPUTA können Sie lesen, was der heldenhafte Pastor aus dieser Anregung gemacht hat, natürlich nicht ohne Widerstände des Leibhaftigen aus der Tiefe des Orkus, dessen Dämonen und Dibbuks ja heute besonders im Geflecht unserer elektronischen Umgebung nisten. Der PC des Pastors hat das Stück deshalb einfach nicht gespeichert, sondern ins Nirgendwo abschmieren lassen, doch natürlich nicht aus den grauen Zellen und der Seele des Geistlichen, der es im Zeitdruck einfach noch einmal schrieb und uns mit dem Trost zuschickte: „Der Teufel kann bekanntlich nur ärgern und nicht verhindern“. Doch lesen Sie selbst, was wir Ihnen heute hier an unserem Tisch des Wortes auftischen.

Im Magazzino, wo wir das alles angerührt haben, ist es an diesem Mittag eher still und leer, als wir an unserem Fensterplatz Radicchio mit Weichkäse, Parmesan und Walnüssen für den Chef an unseren Tisch kommen lassen und spanisches Spanferkelchen (weniger als lauwarm) und allerbeste Cacio e Pepe Spaghetti plus Baccalà alla Genovese. Das Lokal ist eine schöne Enoteca, die abends immer brechend voll ist wegen seiner täglich wechselnden Weinproben. Und weil der liebe Gott (um den sich, wie wir wissen, die Sonne und alle anderen Sterne drehen) in diesem Jahr den ersten Frühlingsvollmond und damit das Osterfest für die lateinische Kirche so spät positioniert hat wie überhaupt nur möglich, können wir diesmal schon am Veilchendienstag die Auferstehung Christi von den Toten anständig vorfeiern, zusammen mit dem Drama UND der Schönheit der Weltkirche wie schon lange nicht mehr. Danke, lieber Gott, sehr gut gemacht, schon wieder einmal! Lebte Kardinal Meisner noch, würde er dieses Heft mit dem Essay Pastor Rodheudts wohl wieder an alle Priester seines Erzbistums verteilen, wie er es vor über zehn Jahren mit unserer ersten Titelgeschichte über den klerikalen Missbrauch getan hat („Er sah aus wie Don Camillo“).

Diesmal muss der aufrechte Kardinal sich mit Pater Pio und dem Pfarrer von Ars der Sache vom Himmel her annehmen und neu verbreiten helfen, was das ist: ein katholischer Priester nach der Ordnung des Melchisedek. Da wird er sich, wie wir ihn kennen gelernt haben, sicher nicht lumpen lassen. Deshalb hat er auch Dirk Weisbrod unserer Redktion zugeführt, der diesmal auf der Lyrikseite im Vaterunser nicht das gestrichen hat, was ihm da nicht gefällt, oder was er nicht versteht, sondern wo er nur ein einziges Wort vertieft. Außerdem ehrt er aus Anlass der Einführung des neuen Messbuchs am 3. April 1969 Annibale Bugnini und besucht dafür mit René Udwari das Laboratorium des frommen Zauberers für dessen revolutionären Kahlschlag der alten Liturgie in der fast vergessenen Kirche San Silvestro. Widerspruch und Staunen.

Die Titelgeschichte geht mit Blick auf die Krönung des Spottkönigs im Palast des Pilatus auf die „Gutenbergfalle“ ein, in die schon Generationen von Theologen wie über eine Treppe hinuntergestürzt sind. Und unsere Sigrid Grabner malt schließlich für Sie hier das Panorama ihrer alten Heimat, die sie nie kennen lernen durfte. Für uns dazu Kaffee und Kippe für den Chef vor der Tür – zu den Genie-Zeilen Bert Brechts, die Sigrid Grabner für uns in Erinnerung ruft: „Von diesen Städten wird bleiben: der durch sie/ Hindurchging, der Wind!“ Gut, dass wir wissen, was Brecht nicht wusste, dass dieser Wind die „Ruach“ ist, der Heilige Geist, der Jesus von den Toten auferweckt hat. Frohe Ostern!


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