VATICAN-magazin

Die pilgernde Redaktionskonferenz

Von Mahl zu Mahl

Heute: Passpartout
Borgo Pio, 50
00193 Roma
Tel.: (0039) 06 / 404 123 68

Danke, Pater Langendörfer! Jeder Zeitungsmann weiß doch, wie schwer es ist, eine Titelgeschichte zu finden. Diese Arbeit hat Pater Langendörfer uns diesmal fast abgenommen, als er am 1. Juli auf seiner Webseite für die Deutsche Bischofskonferenz dem Mannheimer Psychiater Harald Dreßing die Gelegenheit bot, nicht nur Benedikt XVI. jede Kompetenz zur Beurteilung des Missbrauchs in der Kirche abzusprechen, sondern auch ein „Abschaffen der Kinderbeichte“ überhaupt zu verlangen, weil Schweinepriester im Beichtstuhl ja wohl vorzugsweise ihre jungen Opfer ausspähen. Klar, verstehen wir.

Dann aber bitte auch doch gleich ein Abschaffen der Kommunion für Kinder verlangen, des Heiligenscheins für Pius X. (der doch die Frühkommunion eingeführt hat), der Ministranten, des Weihwassers (die Bakterien!) und der Schwimmbäder (wg. der Umziehkabinen und der Bademeister). Schon sahen wir das schöne Cover mit dem heiligen Nepomuk vor uns, also mit dem Märtyrer für das Beichtgeheimnis, und riefen gleich schon René Udwari an, unseren Advocatus seraphicus, für sein passendes Stück dazu.

Doch kaum war das geklärt, sahen wir uns den Brief näher an, den der Heilige Vater Tage zuvor an die deutschen Oberhirten gerichtet hatte, um sie vor den Fallen und Abwegen jenes „synodalen Weges“ zu warnen, auf dem Pater Langendörfer seine deutsche Bischofskonferenz gern weiter als Sekretär und spin-Doctor leiten und anführen möchte. Zwar hat, wie Roms gewöhnlich gut unterrichtete Gerüchteküche es wissen will, Kardinal Marx den Heiligen Vater am Schluss noch überzeugen können, sein Schreiben an die Deutschen etwas weniger streng zu formulieren. Dennoch blieb genug Dynamit in der päpstlichen Mahnung, dass klar wurde: hier muss der Chef selber ran, in einer eigenen Titelgeschichte. Auch die Titelzeile dazu war gleich schon klar. Das konnte diesmal nur heißen: „Mit brennender Sorge“, wie die bisher einzige Enzyklika in deutscher Sprache aus Rom an den deutschen Episkopat schon einmal hieß, 1937, vor 82 Jahren, unterzeichnet von Pius XI. und redigiert von Eugenio Pacelli. Entworfen hatte den Text damals allerdings der damalige Erzbischof von München und Freising, Kardinal von Faulhaber, dessen Nachfolger heute den Papst zu redigieren versucht. Tempora mutantur!

Nur die Sorge ändert sich nicht, mit der heute von Rom nach Deutschland geschaut wird, wobei die Anfangszeile der alten Enzyklika („Mit brennender Sorge und wachsendem Befremden ...“) heute in diesem Heft auch noch wie ein Passpartout für Kardinal Sarahs neues Buch zum nahenden Abend passt, und für das Gespräch des Chefs mit Pater Herbert aus Krefeld am Rhein, der nun schon so lange am Amazonas lebt und dessen Kultur wirklich kennt. Er passt zum Bericht Tobias Lehners über Eritrea und er passt zu uns und der Sorge des Heiligen Vaters, wenn wir uns anschauen, mit welchem Furor unter der Zauberformel des synodalen Weges in Deutschland – und mit der anschwellenden Kriegskasse der Kirchensteuer – an einer neuen Kirche gebastelt wird, die sich an allem orientieren will, nur nicht mehr an der Kreuzigung seines Stifters und seiner Auferstehung nach drei Tagen. Da werden wir die Augen aufhalten, bis sie uns zugedrückt werden.

Deshalb müssen wir uns bis dahin aber weiter gescheit bei Kräften halten. Im Passpartout im Borgo Pio, das früher einmal ein Teil des Lokals „Venerina“ war, lassen wir deshalb den Hauswein und Brot und Wasser kommen und teilen uns einen Teller Roastbeef als Vorspeise. Wir haben uns ganz nach hinten verzogen in den Gartenteil mit Kunstrasen, wo der Chef auch am Tisch eine rauchen kann, wie es im alten Rom an jedem Mittagstisch noch gang und gäbe war. In dieser Hinsicht ist der Chef radikal vorkonziliar geblieben, auch als sein geschmortes Hähnchen mit Kartoffeln aus dem Ofen an den Tisch gebracht wird und Zitronenravioli mit Ricotta und geschmorten Tomätchen. Der Service ist lieb und freundlich, nur etwas verschlafen. Der Sommer ist aber auch sehr heiß: Nur vom Sommerloch weit und breit nichts zu sehen. Als uns die Sonne doch noch einholt und erwischt, wechseln wir zum Kaffee in den Schatten, wo wir von einer Rhein- und Mosel-Synode träumen mit gutem Riesling und ohne jede Wortverdrehung und alle anderen Tricks aus den Zauberkisten deutschsprachiger Theologen. Herr bleibe bei uns, denn es will Abend werden, aber echt!


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