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Editorial

Was das alles kostet

von Guido Horst

Wenn Kardinal Reinhard Marx jetzt im Brustton der Überzeugung behauptet, der „Synodale Weg“ wolle ja gar keine verbindlichen Entscheidungen treffen, sondern nur Vorschläge für die Weltkirche liefern, und verbindlich würden etwaige Beschlüsse nur dann, wenn ein Ortsbischof sie für seine Diözese in Kraft setze und im Amtsblatt des Bistums veröffentliche, dann verlagert er nur das Problem. Wenn der Weg, den die Deutsche Bischofskonferenz und das Zentralkomitee der Katholiken jetzt gehen, keine Kompetenz in Fragen hat, die nur auf weltkirchlicher Ebene behandelt werden können – da waren die Briefe des Papstes, Kardinal Marc Ouellets und das Gutachten des Rats für die Gesetzestexte überdeutlich –, dann kann auch kein einzelner Bischof vorpreschen und in seinem Amtsblatt Dinge erlassen, die nur der Papst in Gemeinschaft mit dem Weltepiskopat verfügen kann.

Bischof Rudolf Voderholzer hat in seiner Erklärung zum „Synodalen Weg“ davon gesprochen, dass „an der Wiege des Synodalen Prozesses eine Unaufrichtigkeit steht“: Aus den Ergebnissen der Missbrauchsstudie habe man den Schluss gezogen, jetzt müssten die Themen „Ehelosigkeit“, „Machtmissbrauch“, „Frauen in der Kirche“ und „Sexualmoral“ auf den Tisch, um die Vergehen an Schutzbefohlenen in den Griff zu bekommen. Das sei „pseudowissenschaftlich“ und rieche nach einer „Instrumentalisierung des Missbrauchs“. Da hat er recht. Aber diese Unaufrichtigkeit geht jetzt weiter. Man wolle ja nichts ändern, definitive Entscheidungen seien Rom und – wenn sie es verantworten können – den Ortsbischöfen kraft ihrer Leitungsvollmacht überlassen. Dennoch aber wünscht die Mehrheit der Betreiber des „Synodalen Wegs“, dass man am Ende der kirchlichen und säkularen Öffentlichkeit konkrete Ergebnisse vorweisen kann: etwa die Lockerung des Zölibats, die Öffnung von Weiheämtern für Frauen, die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare, die Anpassung der Moral an die Lebenswirklichkeiten von heute, eine stärkere Beteiligung der Laien in der Kirchenleitung. Man redet vollmundig von Evangelisierung, meint aber doch nur die Änderung der Strukturen.

Angesichts solcher Unaufrichtigkeiten tut es einem leid wegen des schönen Gelds. Denn das muss man sagen: Synodalität ist teuer. Das erlebt man auch in Rom. Bischofssynoden haben immer etwas gekostet. Aber was seit Jahren an Reisen, Vorbereitungstreffen, Konferenzen, Publikationen und PR-Aktionen finanziert wird, um der Amazonas-Synode einen besonderen Spin in Richtung einer „Theologie der Indigenen“ – einer Sonderform der Befreiungstheologie – zu geben, lässt einen schwindelig werden. Da mussten schon millionenschwere deutsche Hilfswerke her, um das alles zu stemmen. Und wenn jetzt der Tross von Experten, Hörern, Sondergästen und PR-Fachleuten in Rom eingefallen ist, der die Synode der Bischöfe begleitet, fragt man sich schon, wer das alles zahlen soll. Ein Ban Ki-moon kann seine Unkosten für drei Wochen vielleicht selber tragen, aber gilt das auch für die nicht gerade begüterten Synodengäste, die man für drei Wochen aus dem Amazonasgebiet einfliegt?

Für den „Synodalen Weg“ gilt dasselbe. Er geht wahnsinnig ins Geld. Sogar eine Agentur wurde beauftragt, diesen zweijährigen Prozess zu begleiten. Wenn es dann am Ende heißt: „Außer Spesen nichts gewesen“, dürfte das der Glaubwürdigkeit der „armen Kirche für die Armen“ sicherlich nicht geholfen haben.


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