VATICAN-magazin

Editorial

Zurück zum Proprium

von Guido Horst

Da sagt es einer mal ganz einfach und klar: Dem schweigenden Auszug aus der Kirche, wie er in den hohen Austrittszahlen von 2018 zum Ausdruck kommt, könne man nur durch „gute Seelsorge und missionarisches Wirken“ begegnen, kommentierte der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick die niederschmetternde Statistik. Wäre das nicht ein gutes Motto für den ganzen „Synodalen Weg“? Mehr gute Seelsorge und missionarischeres Wirken? Warum stehen dort die verknöcherten Strukturfragen, die von verkopften Theologen vorgetragenen Eingriffe in die Weihetheologie und Sexualmoral, das erbitterte Anrennen gegen den Zölibat im Vordergrund? Warum so kompliziert, wenn es auch so einfach geht? Natürlich stünden viele Fragen im Raum, wenn es um einen Qualitätssprung in der Seelsorge und ein missionarischeres Auftreten der Kirche ginge. Aber das sind die Fragen, denen man sich stellen muss. Was dagegen eine weitere Protestantisierung der katholischen Kirche bringen könnte, beantwortet sich mit dem Blick auf die evangelischen Gemeinden selbst, denn dort ist der Mitgliederschwund noch viel größer.

Dasselbe gilt für die Amazonas-Synode. Natürlich ist es gut, wenn von der Bischofsversammlung ein mahnendes Wort an die Politiker und Verantwortlichen kommt, der Naturzerstörung am Amazonas Einhalt zu gebieten und die Rechte der Indios zu gewährleisten. Das Kerngeschäft der Kirche ist aber nicht die Politik, sondern: gute Seelsorge und missionarisches Wirken. Warum aber auch hier der Versuch, die gesunde, moderne Theologie der Kirche, wie sie in den Texten des Zweiten Vatikanums zu finden ist, vom Sockel zu stoßen und die Kirche stattdessen auf dem zeitgeistbedingten Fundament eines grünen Funktionalismus neu zu gründen?

Es scheint, dass die Theologen und manche Kirchenführer Zölibat, Weiheamt, Sexualmoral und die hierarchische Struktur der Kirche schleifen wollen, weil diese den Lebenswirklichkeiten der Gesellschaften des Westens widersprechen und den Menschen von heute angeblich nicht mehr zu vermitteln seien. Dabei tun sie so, als seien diese Alleinstellungsmerkmale der Kirche das eigentlich Proprium des kirchlichen Glaubens. Sind sie aber nicht. Das Proprium der „Catholica“ ist das Credo, ist der in Jesus Christus sichtbar gewordenen Gott, sind die Auferstehung und die Überwindung von Sünde und Tod, das heißt die Erlösung jedes Einzelnen. Das stünde im Mittelpunkt einer guten Seelsorge und eines missionarischeren Wirkens und ist immer noch ein Pfund, mit dem die Kirche selbst in einer heidnischen und glaubenslos gewordenen Umgebung wuchern kann. Auch der kirchenferne Mensch sehnt sich nach Antworten auf die letzten Fragen. Die Kirche kann sie ihm geben. Nicht eine Sexualmoral, nicht ein Zölibatsgesetz und nicht die Männerweihe haben die Qualität einer „Totenbettfrage“, also jenes existenzielle Gewicht, das den Menschen angesichts seiner Endlich- und Erlösungsbedürftigkeit im Inneren fragen lässt, worauf er denn wirklich seine Hoffnung setzen kann.

Das Christentum ist auch heute, zweitausend Jahre nach der Inkarnation, nach dem leibhaften Einbruch Gottes in die Menschheitsgeschichte, attraktiv, das zeigen überall auf der Welt die vielen jungen Menschen, die sich nach wie vor zu einem Leben aus dem Glauben entschließen. Sie sind im Westen weniger geworden, aber die Quantität war nie Sache und Ziel der von Jesus Christus gebrachten Offenbarung. Da geht es darum, Salz der Erde zu sein. Und dieses Salz würde auch die gute Seelsorge und das missionarische Wirken wieder schmackhaft machen.


Sie lesen die Vorschau

e-paper-abo

Schließen Sie jetzt ein E-Paper-Abo ab, um vollen Zugriff auf alle Artikel zu erhalten

Abonnieren

print + e-paper-abo

Schließen Sie jetzt ein Printabo ab mit E-Paper-Zugriff auf alle Artikel.

Abonnieren

einzelausgabe

Kaufen Sie diese Ausgabe als E-Paper-Einzelheft und bezahlen Sie bequem per PayPal.

kaufen

Sie lesen die Vorschau

abonnieren

Schließen Sie jetzt ein E-Paper-Abo ab, um vollen Zugriff auf alle Artikel zu erhalten

Abonnieren

einloggen

einzelausgabe

Kaufen Sie diese Ausgabe als E-Paper-Einzelheft und bezahlen Sie bequem per PayPal.

kaufen